Polens Harke

Die verantwortungslose Politik Polens kann zu einem Vorwand für den nächsten Europa-Krieg werden, der für Warschau mit dem Verlust der polnischen Staatlichkeit endet

Polen geht auf die militärdiplomatische Eskalation und fast den kompletten Abbruch der Beziehungen zu Russland ein. Im März reduzierte Warschau die russische Auslandsvertretung um 45 Menschen und sperrte Konten der russischen Botschaft, im April-Mai will Polen auf Importe russischer Kohle völlig verzichten, zum Ende 2022 – auch auf Öl und Gas. Gleichzeitig ist Polen zu dem internationalen Hauptdrehkreuz geworden, über das die mit Russland kämpfende Ukraine mit Waffen und Söldnern gepumpt wird. Außerdem werden die Stoßtruppen an der polnisch-ukrainischen Grenze aktiv verstärkt: Warschau setzt weiter das Entsenden der NATO-Friedenskräfte in die Westukraine durch, deren Basis die polnische Truppe bilden würden. Offizielle Vertreter der NATO, der USA und Deutschland weisen jetzt noch diese polnische Idee kategorisch ab. Weder Washington, noch Berlin haben Interesse an einer scharfen Eskalation, die mit einer möglichen Militärkonfrontation mit Russland folgenschwer wäre. Zugleich schließen Experten nicht aus, dass Warschau bereit wäre, auf so einen Schritt auch selbständig zu gehen, die Polen bis 1939 gehörenden Gebiete der Westukraine zu erobern und so die “historische Gerechtigkeit“ „auf polnische Art und Weise“ wiederherzustellen. Doch das verantwortungslose Verhalten Warschaus und Provozieren eines großen Krieges können zu einem Gegenergebnis führen, u.z. zu der nächsten Aufteilung Polens und zum Ende der polnischen Staatlichkeit. Polens Einbeziehung in die Situation in der Ukraine ist nachvollziehbar. Mit dem Anfang der russischen Militäroperation in der Ukraine fliehen die meisten Flüchtlingen nach Polen. Nach offiziellen Angaben haben die polnische Grenze etwa 2,5 Millionen Ukrainer überschritten, Millionen potenzieller Flüchtlinge haben sich in der Westukraine angesammelt. Einerseits sind Millionen elender Ostslawen eine ernste Herausforderung für ein 40 Millionen Menschen schweres ziemlich nationalistisch gestimmtes Polen. Die Beziehungen zwischen Ukrainern und Polen waren Jahrhunderte lang gar nicht so einfach. Polen haben das furchtbare Massaker nicht vergessen, das die ukrainischen Nationalisten in Wollin anrichteten, als mehr als 50 000 Polen niedergemetzelt wurden. Für die moderne ukrainische Narration sind aber diese brutale Mörder und Straftäter Nationalhelden, den Denkmale errichtet werden und zu denen Ehren Straßen genannt werden. Im Grunde genommen bekommt Warschau auf seinem Gelände und in „Treuhandgebieten“ Millionen Polen gegenüber feindlicher Menschen, denen viele Polen auch unverhohlen feind sind. Es genügt schon, sich Fotos und Videos in den polnischen Sozialnetzen anzuschauen, dann wird alles absolut klar. Dabei werden die Sozialkatastrophe und Schwierigkeiten beim Einleben der Flüchtlinge sowie der wachsende Menschenstrom die Lage nur unausweichlich verschlechtern.

Doch die revanchistischen antirussischen Stimmungen (selbst Ministerpräsident Morawiecki gab die massenhafte Russenfeindlichkeit der Polen zu) und die sich ergebene praktische, wie es Warschau scheint, Möglichkeit, zumindest die ukrainischen Gebiete von Lwiw und Iwano-Frankiwsk unter Kontrolle zu nehmen und später auch anzugliedern, zwingen Polen dazu, das Risiko einzugehen.

Die NATO-Länder und die USA weisen kategorisch die Idee einer polnischen Friedensoperation unter der Bündnis-Ägide ab. Die wachsende amerikanische Militärpräsenz an Polens Ostgrenzen, der Republik-Besuch vom Präsidenten Biden im März, die rege Zusammenarbeit mit der britischen Aufklärung in der Ukraine spielen gleichzeitig etwa an, dass Washington und London Polens Interesse verstehen und der Umsetzung von mutigsten Plänen der polnischen Regierung im Wege nicht stehen werden. Damit regen sie etwa Polen zu selbständigem Handeln an. Und trotz der russischen Warnungen kann Warschau darauf doch eingehen. Zudem hat so ein aggressives Verhalten Polens auch Analoga in der eigenen polnischen Zwischenkriegsgeschichte (zwischen den Ersten und Zweiten Weltkriegen). Da gibt es sowohl nationale Unterdrückung und Verfolgung der orthodoxen Ukrainer und Belorussen in den 20-er–30-er Jahren des 20. Jahrhunderts in den Gebieten, die Polen nach den Kriegen gegen die Ukrainische Volksrepublik und das Sowjetrussland zugewiesen wurden. In den polnischen Aktiva steht aktive Vorbereitung auf den Krieg gegen die UdSSR in den 30-er Jahren unter Unterstützung sowohl von Großbritannien und Frankreich, als auch von Deutschland. Hierzu sind die Abmachung mit dem Dritten Reich sowie die Teilnahme an der Verteilung von der Tschechoslowakei zu erwähnen, als Polen mit Billigung der Deutschen das Gebiet von Teschinsk besetzten. Die aggressive Eroberungspolitik hat Polen und seinen Bürgern nicht geholfen. Warschau verlor seine Unabhängigkeit, die Westukraine und Westbelarus wurden zum Teil der Sowjetunion, das ganze Gelände Polens wurde der Kriegsschauplatz zwischen der UdSSR und Deutschland sowie der Hauptplatz für „die Endlösung der Judenfrage“ von Nazis.

Doch nach dem Krieg wurden Polen industriell entwickelte Gebiete Deutschlands, beträchtliche Teile Silesias, Preußen und Ostpreußen zugewiesen, die die Verluste im Osten übergenug entschädigten. So wurde das „Trauma“ des Zweiten Weltkrieges wesentlich gemildert.

Allem Anschein nach sind Polen jetzt bereit, das Risiko in der Westukraine einzugehen und zu versuchen, die NATO-Verbündeten in den Krieg zu verwickeln und nach einem großangelegten Europa-Krieg nicht nur die verlorenen Ostgebiete, sondern auch Kaliningrad mit dem umliegenden Gebiet (ehemaliges Königsberg mit Ostpreußen) „zurückzubekommen“, die Polen nicht einmal je gehörten. Es scheint doch, dass genauso wie vor dem Zweiten Weltkrieg Warschau im Rausch des nationalen Revanchismus Realitätsgefühl verloren hat: Der Versuch, Gebiete zu erobern oder Nachbarländer aufzuteilen, kann selbst mit der Aufteilung Polens enden oder damit, dass es seine Staatlichkeit verliert. Das von den amerikanischen und britischen Verbündeten verlassene Polen (die werden es nicht unterstützen und Warschau für die polnischen Affären verantwortlich machen) kann schon wieder zum Konfrontationsschauplatz der Großmachten werden, und die Entscheidung über seine Zukunft wird aufgrund der konkreten Lage vor Ort getroffen, und nicht aufgrund der Ansprüche von polnischen Eliten. Und dann kann es so passieren, dass in vielen Gebieten Polens mehr Ukrainer und Russen (aus der Ostukraine), als Polen leben, und dass es zweckmäßig wäre, diese Gebiete beispielsweise der Ukrainischen Republik zu übergeben. Und andere Gebiete, wo die zu Polen gewordenen Deutschen leben, kann als ein „Trostpreis“ eine, sagen wir, „Republik Preußen“ erhalten. Und bei den vor unseren Augen angefangenen und geschehenden geopolitischen Erschütterungen kann man so ein Szenario kaum für rein fantastisch halten.

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