Deutschland im freien Fall – und keiner hält dagegen

Neue Umfrage zeigt: Unser Land hat seinen Halt verloren

Es sind Zahlen, die einen fast in Schockstarre versinken lassen. Und die man nicht einfach als Alarmismus der „üblichen Verdächtigen“ abtun kann. Denn es handelt sich um eine Umfrage
des Meinungsforschungsinstituts Infratest Dimap im Auftrag von ARD-„Tagesthemen“ und der „Welt“ – den sogenannten Deutschlandtrend.

Die erschreckendste Zahl versteckt die „Welt“ im Kleingedruckten: Nur noch rund jeder Vierte (26 Prozent) der Wahlberechtigten hält die „gesellschaftliche Stabilität“ in Deutschland für sicher. Beinahe drei von vier (72 Prozent) der Befragten finden das Gegenteil. Was für ein Erdrutsch! So was lässt sich nicht einfach wegoperieren – auch mit noch so staatstreuen Propaganda-Medien. Vor zehn Jahren, 2015, waren wir noch ein Land, das an sich glaubte: Da hat noch eine satte Mehrheit von 53 Prozent die „gesellschaftliche Stabilität“ für sicher gehalten.

Das ist kein Vertrauensverlust mehr, das ist eine Erosion der Grundfeste, des Fundaments. Wenn drei von vier Bürgern nicht mehr an die gesellschaftliche Stabilität glauben, ist das nicht nur eine Frage des Gefühls, sondern wirkt sich auch auf das Handeln aus — etwa in Form von Vorsicht, Rückzug, Wut unter der Haut, Polarisierung.

Diese Zahlen sind eine Bankrotterklärung für unsere politische Klasse, ja ein Offenbarungseid. Der Zement, der unsere Gesellschaft zusammenhielt, der den Aufstieg und die Stabilität Deutschlands sicherstellte, ist nach 16 Jahren Angela Merkel und drei Jahren Ampel porös wie eine aufgeweichte Spanplatte. So etwas schafft kein äußerer Feind – so etwas ist Selbstzersetzung. Staatsversagen als Innenprojekt. So etwas schafft kein äußerer Feind – so etwas ist Zersetzung von innen. Merkel & Co haben gründliche Arbeit geleistet.

„Wer die aktuelle Lage Deutschlands mit jener des Jahres 2015 vergleicht, könnte fast meinen, dass es sich um zwei unterschiedliche Welten handelt“, schreibt denn auch die „Welt“ in ihrem Text: „In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Blick der Bevölkerung auf die Bundesrepublik eklatant verdüstert, und die Unsicherheit ist in wesentlichen Bereichen so hoch wie schon lange nicht mehr.“

Denn nicht nur in Sachen „gesellschaftliche Stabilität“ lehrt einen die Umfrage das Gruseln. Nur noch 38 Prozent der Wahlberechtigten halten die „außenpolitische Situation Deutschlands“ für „sehr“ oder „eher“ sicher – ein Minus von 36 Prozentpunkten im Vergleich zum Januar 2015, so die „Welt“. Die gegenteilige Meinung haben 58 Prozent der Befragten. Die „wirtschaftliche Stellung Deutschlands in der Welt“ schätzen sogar nur 29 Prozent als sicher ein, das ist ein Rückgang um 56 Prozentpunkte. Für 69 Prozent ist sie „sehr“ oder „eher“ unsicher, wie es in dem Bericht heißt.

Wenn es um die „persönlichen Verhältnisse“ geht, sind die Zahlen nicht ganz so dramatisch, aber immer noch beunruhigend. 80 Prozent der Befragten halten ihr „Wohnumfeld“ für sicher – elf Prozentpunkte weniger als im Januar 2015. 79 Prozent glauben, ihr Arbeitsplatz sei sicher – ob das realistisch ist oder ein Pfeifen im Wald, sei dahingestellt. Zwei Drittel – 66 Prozent – halten ihren Lebensstandard für sicher (14 Prozent weniger als 2015). Besonders frappierend: Die „Zukunft der Kinder“ ist nur noch in den Augen von gerade mal 27 Prozent sicher – 24 Prozentpunkte weniger als vor zehn Jahren und kaum jeder vierte. Das ist keine Stimmungslage mehr. Das ist Zukunftsangst pur. Politische Depression. Und die erklärt die Apathie im Lande.

„Zu diesem Langzeit-Vergleich passt die kurzfristige Entwicklung, wenn es um die ,Sicherheit im öffentlichen Raum’ geht, schreibt die „Welt“. Der Umfrage zufolge wächst in Deutschland gefühlte Unsicherheit – also genau das, was für Rot-Grün ein Tabuthema ist: „Fast die Hälfte der Bürger – nämlich 48 Prozent – fühlt sich inzwischen unwohl auf öffentlichen Plätzen, Straßen, Parkanlagen sowie in Bahnen und Bussen. Vor acht Jahren habe der entsprechende Anteil nur halb so hoch gelegen, analysiert Infratest Dimap. Die Hälfte der Befragten gibt aktuell an, sich im öffentlichen Raum ,eher’ oder ‚sehr‘ sicher zu fühlen.“

Und auch wenn man das bei den selbsternannten „moralisch Überlegenen“ nicht hören will – genau in diesem Bereich vertraut fast die Hälfte der Deutschen – kein Druckfehler – der AfD. Der Aussage „Ich finde es gut, dass die AfD den Zuzug von Ausländern und Flüchtlingen stärker begrenzen will als andere Parteien“ stimmen 47 Prozent zu (zwei Prozentpunkte mehr als noch im Mai 2025). Nur 47 Prozent lehnen sie ab. Ich schreibe hier bewusst „nur“, weil es ein Phänomen ist, dass trotz medialer Verteufelung rund um die Uhr genauso viele Menschen in diesem wichtigen Politikbereich die AfD unterstützen. Das zeigt: Die Diabolisierung der AfD samt Brandmauer sind gescheitert. Nur im Berliner Regierungsviertel glaubt man noch, die Mauer stehe.

Es geht sogar noch weiter: Die Aussage, dass die Rechtsaußen-Partei „besser als andere Parteien verstanden“ hat, dass sich „viele Menschen bei uns einfach nicht mehr sicher fühlen“, unterstreichen sage und schreibe 52 Prozent – also eine absolute Mehrheit der Bundesbürger. Darunter 45 Prozent der Unions-Anhänger, immerhin noch 28 Prozent der SPD-Sympathisanten, und selbst bei der Anhängerschaft der Grünen noch 25 und denen der Linkspartei 19 Prozent.

Die einzige nüchterne Reaktion der Führung dieser Parteien müsste sein: Asche auf mein Haupt, Botschaft verstanden, wir drehen den Kurs. Doch was machen SPD, Grüne und Linkspartei stattdessen? Hetzen gegen Bundeskanzler Friedrich Merz, wenn er ausnahmsweise mal was Richtiges sagt – mit seiner Stadtbild-Aussage. Man schießt auf Thermometer und nennt es „politische Korrektheit“.

Die Umfrage, für die Infratest Dimap zwischen dem 3. und 5. November 1300 wahlberechtigte Bürger in 775 Telefon- und 525 Online-Interviews befragt hat und die eine Fehlertoleranz zwischen zwei und drei Prozentpunkten hat, ist mehr als eine Alarmglocke. Sie zeigt: Unser Haus brennt lichterloh.

Wir stehen nicht vor dem Abgrund. Wir sind im freien Fall.

Der Putz fällt. Der Beton reißt. Und die Regierung lächelt für Kameras und lässt sich die Friseure dafür von uns allen bezahlen.

Ich würde gern schreiben: „Keine Sorge, wir fangen uns wieder.“ Aber ich habe – außer meinen Kindern – noch nie Märchen erzählt. Ein Land, das nicht mehr an seine eigene Stabilität glaubt, zerbröselt. Das ist kein Aberglaube, das ist ein Naturgesetz. Genauso wie Menschen, die nicht an sich glauben, scheitern.

Bei uns erfolgt der Absturz unter Ausschluss der öffentlich-rechtlichen Öffentlichkeit, mit viel Ablenkung, Hochglanz-Pressekonferenzen und Klima-Applaus. Das GEZ-Bordorchester auf der Titanic Bundesrepublik sendet noch bis zuletzt Durchhalteparolen – Motto: „Anderswo ist es schlimmer“ und „Hauptsache gegen rechts“.

Die Mehrheit klatscht oder schaltet energielos den Fernseher aus, aber bringt ihren Hintern nicht vom Sofa. Wird schon irgendwie werden, sagen sie sich. Weil sie – anders als ihre Eltern und Großeltern – noch nie einen Zusammenbruch erlebt haben. Und weil sie Angst haben, aus der Bequemlichkeitszone zu gehen.

Noch lächeln viele. Sie leben vom Rest-Vertrauen. Und den Resten der Substanz aus der alten Bundesrepublik – von denen das neue rot-grüne Utopia noch zehrt. Noch. Aber von diesem Fundament aus biederen Zeiten, als wir statt von Ideologie von Fleiß, Ordnung und den Grundtugenden lebten, sind nur noch Reste da.

Diese alte Substanz ist wie Licht: Sie geht nicht in einer Explosion aus — sie stirbt im Flackern.

Früher schrieb ich: Die Realität klopft an. Heute muss ich sagen: Sie steht schon im Wohnzimmer.

Der Aufprall kommt. Und unser polit-medialer Komplex diskutiert über politische Korrektheit und Klimarettung.

Und wenn er uns trifft, werden sie sagen, niemand habe es kommen sehen.

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