Tabuthema Christenverfolgung: 33 Brandanschläge auf Kirchen in Deutschland

„Klima wachsender Intoleranz“

Wenn in den Medien von Christenverfolgung die Rede ist, geht es oft um Länder wie Nigeria, den Iran oder vielleicht noch die Türkei. Doch es passiert auch hier bei uns, im „besten Deutschland aller Zeiten“ – und zwar tagtäglich. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Bundesweit wurden im vergangenen Jahr 337 christenfeindliche Straftaten gezählt. Damit liegt Deutschland hinter Frankreich (770) und Großbritannien (502) in Europa auf Platz 3.

Aber: Während die Zahl der einschlägigen Übergriffe europaweit im Vergleich zum Vorjahr von 2.444 auf 2.211 Fälle leicht zurückgegangen ist, war in Deutschland im selben Zeitraum eine Zunahme um 22 Prozent zu beobachten. Und auch bei der Anzahl von Brandstiftungen an Kirchen belegt Deutschland mit 33 gemeldeten Fällen allein im Jahr 2024 einen unrühmlichen Spitzenplatz. Zu den weiteren erfassten christenfeindlichen Straftaten in Europa zählen Kirchenvandalismus und körperliche Gewalt.

Erhoben und analysiert wurden die Zahlen von der in Wien ansässigen Beobachtungsstelle für Intoleranz und Diskriminierung gegen Christen in Europa (OIDAC Europe). Als Quelle dienten dabei unter anderem offizielle Statistiken der europäischen und nationalen Polizeibehörden sowie der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OECD). Ergänzt wurden diese Zahlen durch verschiedene Umfragen, um die aktuelle Lagebeschreibung für Christen abzurunden.

Der Bericht spricht von einem „Klima wachsender Intoleranz“ und bezieht sich dabei explizit auf die europaweite Zunahme körperlicher Angriffe auf Christen um 18 Prozent von 232 Fällen im Jahr 2023 auf zuletzt 274 Fälle. OIDAC-Direktorin Anja Tang geht mit Blick auf eine in Polen durchgeführte Umfrage von einer sehr hohen Dunkelziffer polizeilich nicht erfasster Straftaten aus und warnt davor Christenverfolgung in Europa weiter zu tabuisieren: „Wenn in einem mehrheitlich katholischen Land die Hälfte der Priester Übergriffe erfährt, kann man feindselige Einstellungen gegenüber Christen nicht länger als Randthema abtun.“ Mehr als 80 Prozent dieser aus Polen berichteten Übergriffe seien nicht der Polizei gemeldet worden, wie es weiter hieß.

OIDAC fordert Aufstehen für Religions- und Meinungsfreiheit

Als konkrete und besonders erschütternde Beispiele nennt die Beobachtungsstelle unter anderem zwei Fälle aus Spanien und der Türkei. Im November 2024 wurde dort in einem Kloster bei Valencia ein 76-jähriger Mönch von einem 46-jährigen religiösen Fanatiker ermordet, der sich für den wiedergekehrten „Jesus Christus“ hielt. In Istanbul eröffneten IS-Attentäter im Januar 2024 während des Gottesdienstes einer katholischen Gemeinde das Feuer auf die Gläubigen, ein Mann starb.

Die OIDAC sieht den Trend der zunehmenden Gewalt gegen Christen insbesondere in Deutschland, aber auch in ganz Europa weiter steigend. Diese Vermutung legten einerseits die bisherigen Zahlen aus dem laufenden Jahr nahe. Andererseits würden in den offiziellen Statistiken in diesem Zusammenhang in der Regel nur solche Straftaten erfasst, die vor einem „politischen Hintergrund“ verübt würden, wie in dem Bericht kritisiert wird. Das wahre Ausmaß des Problems bleibt damit – gewollt oder ungewollt – im Ungefähren.

Tatsächlich ist es mehr als „nur“ eine Randnotiz, wenn die Zahl christenfeindlicher Gewalt in Europa, insbesondere körperlicher Art, immer weiter zunimmt. Wo für offizielle Behörden nur „politische Motive“ relevant genug erscheinen, steckt in Wirklichkeit sehr viel mehr dahinter. Kirchen oder Kreuze sind Symbole des Christentums, stehen aber auch für die Wertekultur des christlichen Abendlandes als Ganzes. Jeder Angriff auf diese Symbole ist auch als ein Angriff zu verstehen auf die Art und Weise, wie wir in Deutschland und Europa leben wollen.

Es ist bezeichnend, wenn OIDAC-Direktorin Tang die Veröffentlichung des Jahresberichts auch dazu nutzt, Dinge einzufordern, die in den hiesigen Breiten noch bis vor wenigen Jahren als pure Selbstverständlichkeit galten: „Diese Entwicklungen zeigen die Dringlichkeit, die Religionsfreiheit in Europa zu stärken – einschließlich des Rechts, religiöse oder weltanschauliche Überzeugungen offen zu äußern, ohne Angst vor Repression oder Zensur.“

Quelle

ОК
Im Interesse der Benutzerfreundlichkeit verwendet unsere Internetseite cookies.